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Editorial
Aus der PETRI NEWS 228-2020

 H.R. Hebeisen
 

Hell oder Dunkel?


Keine Bange liebe Bayern und andere Freunde des Gerstensaftes, der HRH schreibt keinen Aufsatz zum Thema Bier. Davon versteht er viel zu wenig mit seinem durchschnittlichen Jahreskonsum von rund fünf Litern. Weil die EWF ausfiel, werden es in diesem Jahr wohl sogar nur zwei Liter sein.
Nein, ich rede von den Farben der Köder, welche der Angler auswirft in der Hoffnung, dass ein Fisch diesen schluckt und so zu seiner Beute wird. Welche er dann entweder wieder zurücksetzt oder verschenkt, oder selber isst oder was auch immer.

Die sorgfältige Auswahl ist sehr wichtig für das Fangergebnis, noch viel fängiger ist die richtige Wahl! Da herrscht bei den Fischern noch viel mehr Unwissen, als Sie glauben, auch viele bestandene Angler glauben nur, dass sie wissen, aber Sie wissen ja, das Wort glauben heisst ja eben das Gegenteil von Wissen.
Darum suchen sie sich bei hellem Wetter (Sie ahnen, nun ist er schon beim Thema angelangt) einen dunklen Löffel oder eine dunkle, vielleicht sogar schwarze Fliege aus. Je mehr dass es dunkelt oder gar nachtet, greifen sie zum Silberlöffel oder zur hellsten Fliege.

Und genau das, liebe Fischer, ist eben total falsch, ich erkläre Euch warum.

Zuerst will ich Euch sagen, dass ich nicht meine, ein besonders Schlauer zu sein. Ich wurde fängig(er), weil ich erstens zuhören kann und auch dem Wissen eines Erfahrenen vertraue,  auch wenn das zu Beginn zögerlich geschieht. Hier die wahre Geschichte:

Es war 1971, am River Spey in Schottland. Die ersten Tage grauenhaftes Wetter; volle Sonne und kein Wind. Weder meine Begleiter Peter Hässig und Fredy Hiestand (ja der mit den Gipfeli) hatten auch nur einen einzigen „Take“ auf unsere Fliegen. Gilli George, ein erfahrener Mann, schlug uns vor, dass wir uns am Abend nicht mehr ins Schloss des Earl of Seafield zurückzogen um dort zu bechern und zu tafeln, sondern, dass wir am Fluss bleiben sollten, um Nächtens zu fischen und in einem Holzverschlag zu schlafen. Ich sagte Ihnen ja schon, dass ich zuhören kann. Also hörten wir nicht nur, sondern handelten auch danach.
So gegen Mitternacht wurde es so dunkel, dass man grad noch die Hand vor den Augen sehen konnte. Nach dem ersten Pool-Durchgang wollte ich die Lachsfliege wechseln und wählte eine sehr helle. „Bad choice“ sagte Georg, griff in meine Fliegenbox und wählte die schwarze Stoats Tail! Ich sagte nur „but“ und George replied „no, no, thats the best colour now, I will explain you later“.

Es vergingen nur Minuten und der erste Lachs hing an der Fliege, ich konnte es kaum glauben. Kurz, ich fing dann noch einen Zweiten, beides anständige Kaliber mit je rund neun Pfund, die Schnittgrösse im River Spey um diese Jahreszeit.

Logisch nahmen wir noch ein (oder vielleicht waren es auch zwei plus) schottische Wasser (ohne Eis!) zu uns und dann erklärte George. „Seht, wenn es bei uns Nacht und somit dunkel ist, ist es auf dem Grund des Flusses noch viel dunkler, ergo ist es bei uns logisch auch dann heller, wenn es eben dunkel ist“! Weiter „Logisch sieht ein Lachs darum die schwarze Fliege besser“. Und er fuhr weiter: „Umgekehrt ist es am Tag, wenn die Sonne hell am Himmel steht. Dann ist es bei uns wohl hell, jedoch auf dem See- oder Flussgrund noch viel heller, ergo ist es bei uns auch dann dunkler wenn es bei uns sehr hell ist“! Ergo sieht dann der Fisch einen silbrigen Löffel oder eine weisse, jedenfalls sehr helle Lachsfliege (Lady Ethna!) besser.

Leuchtete mir ein. Ich handelte in Zukunft danach und fing wohl den einen oder anderen Lachs (mehr) als die Fischerkameraden, welche meinten, sie wüssten es besser oder es einfach nicht glaubten..

Meinen aber heisst, wie glauben; nicht wissen!

P.S. In der Nacht auf Donnerstag kehrte das Wetter total und bei wunderbarem Lachswetter (Sturm und Regen) fingen der Peter, der Fredy und ich noch eine schöne Anzahl Lachse; trotz Heimkehr am Abend an die Tafel des Grafen.

 

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